"Der Hühnerstall muß vor Kälte und Hitze, auch sonst fest und wohl verwahret seyn, damit kein Raubthier, als Marder, Iltis, Wiesel oder keine Eule hinein komme, welche sonst in einer Nacht alle Hühner, die ihnen ein Leckerbissen sind, umbringen., Inwendig muß er reinlich gehalten werden, sowohl auf dem Fußboden, als an den Wänden, Stangen und Nestern; er muß mit Nestern zum Legen und Brüten, auch mit Stangen versehen seyn, damit die Hühner, welche gern hoch sitzend schlafen, darauf ihre Ruhestätte finden. Man thut wohl, ihn in der Höhe, am liebsten in einem Kuh- oder Pferdestall anzulegen, weil daselbst allemahl der rechte Grad von Wärme und Kälte für die Hühner seyn wird; dieser muß zwar mit einer Thüre versehen seyn, die in den großen Stall gehet, worinnen er sich befindet, damit die Menschen dahinein steigen können, diese muß aber den Hühnern verschlossen seyn, und sie zu ihrem Ein- und Ausgange ein an der Seite des Hofes angebrachtes Flugloch haben, welches unten mit einer Treppe versehen, die von den Flugloche in einer schrägen Richtung bis herunter auf den Hof gehet. Wenn Abends alle Hühner in dem Stalle, worauf man wohl Achtung zu geben hat, so wird dieses Flugloch zugemacht, damit nicht ein Hühner Feind durch dasselbe hinein dringe, und diese ermorde, welches ebenfalls denjenigen leicht widerfahren kann, die aus Nachläßigkeit ihrer Wärterin einzulassen vergessen werden, und daher ihr Nachtlager auf den Bäumen oder andern hohen Orten im Freyen suchen müssen."
Carl Adam Heinrich Bose: Hand-Buch der praktischen Landwirthschaft, allen Liebhabern derselben zugeeignet. Zweyter Band. Den Wiesewachs und die Viehzucht enthaltend. Leipzig : Wilhelm Rein 1798, S. 371 f. (Quelle)
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Dienstag, 13. September 2011
Literatursplitter :: Buchoz 1785
In diesem frühen Fachwerk zur Hühnerhaltung, aus dem Französischen, werden zwei Arten von Hühnerleitern genannt: die von außen in den Stall und die innen zu erhöhten Sitzstangen führenden.
"Man kann bey dem grossen Hühnerstall, noch zwey ober drey andere anhängen, die mit einander Gemeinschaft haben, damit die Hühner die Wahl haben, denjenigen auszusuchen, der ihnen am besten gefällt, und damit sie den Schnabelhieben derjenigen ausweichen können, die ihnen den Krieg machen könnten, wenn sie zusammen auffliegen wollten. Die Hühnerställe müssen jeder ein kleines Fenster haben , welches mit einem eisernen Gitter versehen ist, oder vor dem kleine Stöcke ineinander geflochten sind, um dem Federvieh Licht zu schaffen, und doch ihren feindlichen Thieren den Eingang zu verwehren. Das Inwendige des Hühnerstalls muß mit grossen viereckigten Stöcken oder Hühnerstangen versehen seyn, damit die Hühner sich desto besser darauf halten können; denn die Henne krümmet ihre Klauen nicht, um sich auf ihrem Nachtsitze zu halten, wie die andern Geflügel zu thun pflegen. Diese Stangen oder Hühnerbetten müssen an beyden Seiten an der Mauer besestiget seyn, und man muß sie so unterstützen, daß sie fest sind. Sie müssen zum wenigsten anderthalb Fuß von der Erde erhoben seyn, damit sie allezeit ohne grosse Mühe darauf fliegen können, weil solches sonst leicht verursachen könnte, daß sie ihre Eyer zerbrechen; wenn man etwa nicht anders könnte, als die Stangen höher zu machen, so müßte man eine Art von Leiter dabey anlegen, um den Hühnern das Heraufkommen zu erleichtern; man muß alsdenn auch eine Leiter von aussen, an der Thüre eines jeden Hühnerstalls anlegen, um den Hühnern den Eingang zu erleichtern, wenn sie legen oder sich aufsetzen wollen. An beyden Seiten des Hühnerstalls, an den Seiten der Stange, müssen Körbe in der Mauer angebracht, oder doch daran besestiget seyn, damit die Hühner desto leichter darein kommen können, wenn sie darein legen wollen. Man versieht diese Körbe gemeiniglich mit Stroh, damit die Hühner ihre Bequemlichkeit darinn haben, und sie ihre Eyer nicht zerbrechen, wenn sie legen; das Heu aber ist weicher, und vielleicht den Flöhen und andern Gewürme nicht so ausgesetzt."
Des Herrn Buchoz ökonomisch-physikalische Abhandlung vom Federvieh, welches zum Vergnügen in Vorhöfen und Vorwerken pflegt gehalten zu werden. Als ein Unterricht dieses Geflügel zu erziehen, zu erhalten, zu vermehren, zu füttern und in der Hauswirthschaft zu benutzen. Aus dem Französischen übersetzt von J. W. Consbruch. Als ein Supplement zu Bueffons Naturgeschichte. Wien : gedruckt bei Johann Thomas Edlen von Trattnern 1785, S. 63 f. (Quelle)
"Man kann bey dem grossen Hühnerstall, noch zwey ober drey andere anhängen, die mit einander Gemeinschaft haben, damit die Hühner die Wahl haben, denjenigen auszusuchen, der ihnen am besten gefällt, und damit sie den Schnabelhieben derjenigen ausweichen können, die ihnen den Krieg machen könnten, wenn sie zusammen auffliegen wollten. Die Hühnerställe müssen jeder ein kleines Fenster haben , welches mit einem eisernen Gitter versehen ist, oder vor dem kleine Stöcke ineinander geflochten sind, um dem Federvieh Licht zu schaffen, und doch ihren feindlichen Thieren den Eingang zu verwehren. Das Inwendige des Hühnerstalls muß mit grossen viereckigten Stöcken oder Hühnerstangen versehen seyn, damit die Hühner sich desto besser darauf halten können; denn die Henne krümmet ihre Klauen nicht, um sich auf ihrem Nachtsitze zu halten, wie die andern Geflügel zu thun pflegen. Diese Stangen oder Hühnerbetten müssen an beyden Seiten an der Mauer besestiget seyn, und man muß sie so unterstützen, daß sie fest sind. Sie müssen zum wenigsten anderthalb Fuß von der Erde erhoben seyn, damit sie allezeit ohne grosse Mühe darauf fliegen können, weil solches sonst leicht verursachen könnte, daß sie ihre Eyer zerbrechen; wenn man etwa nicht anders könnte, als die Stangen höher zu machen, so müßte man eine Art von Leiter dabey anlegen, um den Hühnern das Heraufkommen zu erleichtern; man muß alsdenn auch eine Leiter von aussen, an der Thüre eines jeden Hühnerstalls anlegen, um den Hühnern den Eingang zu erleichtern, wenn sie legen oder sich aufsetzen wollen. An beyden Seiten des Hühnerstalls, an den Seiten der Stange, müssen Körbe in der Mauer angebracht, oder doch daran besestiget seyn, damit die Hühner desto leichter darein kommen können, wenn sie darein legen wollen. Man versieht diese Körbe gemeiniglich mit Stroh, damit die Hühner ihre Bequemlichkeit darinn haben, und sie ihre Eyer nicht zerbrechen, wenn sie legen; das Heu aber ist weicher, und vielleicht den Flöhen und andern Gewürme nicht so ausgesetzt."
Des Herrn Buchoz ökonomisch-physikalische Abhandlung vom Federvieh, welches zum Vergnügen in Vorhöfen und Vorwerken pflegt gehalten zu werden. Als ein Unterricht dieses Geflügel zu erziehen, zu erhalten, zu vermehren, zu füttern und in der Hauswirthschaft zu benutzen. Aus dem Französischen übersetzt von J. W. Consbruch. Als ein Supplement zu Bueffons Naturgeschichte. Wien : gedruckt bei Johann Thomas Edlen von Trattnern 1785, S. 63 f. (Quelle)
Der Fuchs und die Hühnerleiter, 1859
Dieser kleine Ausschnitt aus einer naturkundlichen Erzählung von Theodor Meyer-Merian gibt einen Hinweis darauf, dass ein Nutzen der lose angelehnten Hühnerleitern darin lag, dass sie des Nachts vom Eingang zum Hühnerstall fortgestellt werden konnten, um Raubtieren den Zugang zu erschweren.
"Reinecke nähert sich dem Waldrande, von wo man das Licht im abgelegenen Bauernhofe blinken sieht, er sondirt die Gegend und sein Spitzbubenauge hat im Hofe auch sogleich eine Hühnerleiter entdeckt. Eine Hühnerleiter aber steht selten vergeblich da, gewöhnlich sind auch Hühner in der Nähe. Hühnerfleisch, findet er nun, wäre ein ganz schmackhafter Braten, auch für ihn, und er ist Menschenkenner genug, um der Vermuthung Raum zu geben, die nachlässige Magd, welche die Leiter Abends stehen gelassen, könnte auch vergessen haben, das Thürlein zu schließen oder wenigstens nur bis auf eine Spalte, durch die er seine spitze Schnauze zu stecken und sich selber weiter zu helfen vermöchte."
[Theodor] Meyer-Merian: Nachtleben in der Natur. In: Die Maje. Ein Volksblatt für Alt und Jung im deutschen Vaterlande. Hg. v. W. O. von Horn. Band 2, Wiesbaden : Kreidel & Niedner 1859, S. 420-441, hier S. 430. (Quelle)
"Reinecke nähert sich dem Waldrande, von wo man das Licht im abgelegenen Bauernhofe blinken sieht, er sondirt die Gegend und sein Spitzbubenauge hat im Hofe auch sogleich eine Hühnerleiter entdeckt. Eine Hühnerleiter aber steht selten vergeblich da, gewöhnlich sind auch Hühner in der Nähe. Hühnerfleisch, findet er nun, wäre ein ganz schmackhafter Braten, auch für ihn, und er ist Menschenkenner genug, um der Vermuthung Raum zu geben, die nachlässige Magd, welche die Leiter Abends stehen gelassen, könnte auch vergessen haben, das Thürlein zu schließen oder wenigstens nur bis auf eine Spalte, durch die er seine spitze Schnauze zu stecken und sich selber weiter zu helfen vermöchte."
[Theodor] Meyer-Merian: Nachtleben in der Natur. In: Die Maje. Ein Volksblatt für Alt und Jung im deutschen Vaterlande. Hg. v. W. O. von Horn. Band 2, Wiesbaden : Kreidel & Niedner 1859, S. 420-441, hier S. 430. (Quelle)
Samstag, 10. September 2011
Der Hahn auf der Hühnerleiter, um 1800
Aus der Geschichte der Stadt Neuruppin stammt diese kleine Anekdote aus dem Leben des 1809 ins Amt gewählten Bürgermeisters (und Arztes) Braun:
"Man erzählt von ihm, daß er an sich die Erfahrung gemacht habe, wie leicht man dahin kommen könne, einen Meineid zu schwören. Er hatte nämlich auf seinem Hofe einen Hahn, der auf seinen Zuruf auf eine Sprosse der Hühnerleiter, die vierte von unten, flog, und dann dreimal krähete. Er kam ihm, er wußte nicht wie, weg. Nach einigen Tagen bemerkt er auf dem Hofe eines Nachbars einen, den er für den seinigen hält. Der Nachbar bestreitet das. Doch man macht die Probe. Der Hahn wird auf den Hof des Dr. Braun gebracht, und siehe, auf das gegebene Zeichen springt er auf die bestimmte Leitersprosse und kräht dreimal. Darauf hin beschwört unser Doktor, daß dieses Thier ihm gehöre, und empfängt es. Nach einer geraumen Zeit findet sich noch ein Hahn, der dem schon vorhandenen ganz gleich ist, auf dem Hofe ein. Der Dr. Braun macht nun das bekannte Zeichen, und siehe, dieser Hahn thut, wie der andere, und nun entdeckt der gute Mann an einem anderen kleinen Merkmale, daß der zuletzt gekommene wirklich der seinige ist, während er den, den er besitzt, nur durch einen irrthümlichen Eid erlangt hat."
Ferdinand Heydemann: Die neuere Geschichte der Stadt Neu-Ruppin. Neu-Ruppin : Oehimgke & Riemschneider 1863, S. 94. (Quelle)
"Man erzählt von ihm, daß er an sich die Erfahrung gemacht habe, wie leicht man dahin kommen könne, einen Meineid zu schwören. Er hatte nämlich auf seinem Hofe einen Hahn, der auf seinen Zuruf auf eine Sprosse der Hühnerleiter, die vierte von unten, flog, und dann dreimal krähete. Er kam ihm, er wußte nicht wie, weg. Nach einigen Tagen bemerkt er auf dem Hofe eines Nachbars einen, den er für den seinigen hält. Der Nachbar bestreitet das. Doch man macht die Probe. Der Hahn wird auf den Hof des Dr. Braun gebracht, und siehe, auf das gegebene Zeichen springt er auf die bestimmte Leitersprosse und kräht dreimal. Darauf hin beschwört unser Doktor, daß dieses Thier ihm gehöre, und empfängt es. Nach einer geraumen Zeit findet sich noch ein Hahn, der dem schon vorhandenen ganz gleich ist, auf dem Hofe ein. Der Dr. Braun macht nun das bekannte Zeichen, und siehe, dieser Hahn thut, wie der andere, und nun entdeckt der gute Mann an einem anderen kleinen Merkmale, daß der zuletzt gekommene wirklich der seinige ist, während er den, den er besitzt, nur durch einen irrthümlichen Eid erlangt hat."
Ferdinand Heydemann: Die neuere Geschichte der Stadt Neu-Ruppin. Neu-Ruppin : Oehimgke & Riemschneider 1863, S. 94. (Quelle)
Weckruf von der Hühnerleiter, 1859
Aus einer kleinen Erzählung der seinerzeit vielgelesenen Marie Nathusius (1817-1857):
Maria [sic!] Nathusius: Der kleine Regimentstrompeter. In: Dies.: Kleine Erzählungen. In zwei Bänden. Bd. 1, Halle : Richard Mühlmann 1859, S. 133-166, hier S. 157. (Quelle)
"Sie kamen hier an, als eben der Mond untergegangen war, und die ersten lichten Streifen sich im Morgen zeigten. Der Hahn stand oben auf der Hühnerleiter, schlug mit den Flügeln und rief sein Kikerikiki mit großer Wichtigkeit in die noch schlafende Welt hinein. Einige Sperlinge guckten darauf aus dem Neste, zwitscherten noch erträglich geräuschlos sich ihre Morgengrüße zu, eine Taube murkurte auf dem hohen Siehdichum, und der Hausknecht wusch sich am Brunnen sein rothes Gesicht und strich sich sein struppig Haar glatt."
Maria [sic!] Nathusius: Der kleine Regimentstrompeter. In: Dies.: Kleine Erzählungen. In zwei Bänden. Bd. 1, Halle : Richard Mühlmann 1859, S. 133-166, hier S. 157. (Quelle)
Freitag, 2. September 2011
Literatursplitter :: Deutsche Encyclopädie 1791
"Hühnersteige. Wenn der Eingang des Hühnerhauses in der Höhe ist, so legt man ihnen von dem Boden aus an dasselbe einen von unten bis oben eingekerbten oder mit Tritten versehenen Balken, oder auch eine kleine Leiter an, auf welcher die Hühner bequemer aufhüpfen können. Auch wird ein aus dünnen Stäben verfertigtes Behältniß, dieHühner darinn von einem Ort zum andern zu bringen, oder auch darinn zu füttern, eine Hühnersteige genannt."
Deutsche Encyclopädie oder Allgemeines Real-Wörterbuch aller Künste und Wissenschaften von einer Gesellschaft Gelehrten. Bd. 16, Frankfurt am Main : Bartentrapp und Wenner 1791, S. 223. (Quelle)
Literatursplitter :: Weidenkeller 1838
"Auch muß jeder Hühnerstall ein gehöriges Flugloch besitzen, zu welchem in und außer dem Stalle eine Hühnertreppe führt."
Johann Jakob Weidenkeller: Katechismus der Landwirthschaftslehre für alle Zweige der Landwirthschaft zum Gebrauch für Landwirthschafts-Schulen und zur eignen Belehrung für angehende Oekonomen. II. Band, I. Heft, Nürnberg : Bauer und Raspe (Julius Merz) 1838, S. 251. (Quelle)
Offene Hühnerställe aus Frankreich (1821)
Zwei Beispiele aus dem Südwesten Frankreichs, dem Departement Landes, vom Beginn des 19. Jahrhunderts:
"Fig. 4. Ein Hühnerstall mit einer Leiter. Man sezt vier Pfosten in einen Hof, worauf man eine Leiter legt, und darüber ein Strohdach anbringt. Man legt alsdann eine Leiter an, die aus einer Stange mit Querstäben besteht. Man trifft solche Hühnerställe im Departement der Landen."
"Fig. 5. Ein aus dem Rade eines kleinen Wagens verfertigtes Hühnerhaus.
In dem gleichen Departement bedient man sich eines alten Rads von
einem kleinen Wagen, das man auf einen Pfosten pflanzt. Man legt ein
Dach darüber an, worunter das Geflügel mittelst einer Leiter übernachtet."
Sammlung von Maschinen, Instrumenten, Geräthschaften, Gebäuden, Apparaten u. s. w. für landwirthschaftliche, häusliche und industrielle Oekonomie. Nach Zeichnungen, die in verschiedenen Theilen Europens verfertigt wurden, von dem Grafen von Lasteyrie. Erster Band. Stuttgart und Tübingen : Cotta 1821. [Ohne Pag.] (Quelle)
Literatursplitter :: Schubert 1860
"Liegen die Puter- und Hühnerställe in der zweiten Etage, so müssen nach
selbiger sogenannte Hühnerstiegen führen, deren Sprossen, besonders für
Puter, nicht mehr als 6 bis 8 Z. von einander entfernt sein dürfen."
F. C. Schubert: Handbuch der landwirthschaftlichen Baukunde für Landwirthe und Bauleute. Berlin : Gustav Bosselmann 1860, S. 179. (Quelle)
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